Der Hausvorteil ist einer der wichtigsten Begriffe, wenn es um Glücksspiel geht, und zugleich einer der am häufigsten falsch verstandenen. Er beschreibt den statistischen Vorteil, den der Betreiber eines Spiels gegenüber den Spielenden hat. Im Englischen heißt er „house edge“. Wer verstanden hat, wie er entsteht und was er bedeutet, kann Spiele realistischer einschätzen und erkennt, warum kein System das Ergebnis dauerhaft zu Gunsten der Spielenden verschiebt.
Definition: Was der Hausvorteil ausdrückt
Der Hausvorteil wird als Prozentsatz des Einsatzes angegeben. Er sagt aus, wie viel vom eingesetzten Geld der Betreiber auf lange Sicht im Durchschnitt behält. Ein Hausvorteil von 2,7 Prozent bedeutet nicht, dass jemand bei 100 Euro Einsatz 2,70 Euro verliert. Gemeint ist ein Erwartungswert über sehr viele Runden: Auf viele tausend Einsätze gerechnet, bleiben im Mittel 2,7 Prozent beim Haus. Im einzelnen Spiel kann der Verlauf völlig anders aussehen, mal gewinnt man deutlich, mal verliert man mehr.
Der Hausvorteil entsteht, weil die Auszahlungen bei den meisten Spielen geringer sind, als es die tatsächlichen Gewinnwahrscheinlichkeiten fair erfordern würden. Die Differenz zwischen fairer Quote und tatsächlicher Auszahlung ist der Vorteil der Bank.
Ein Rechenbeispiel am Roulette
Am deutlichsten wird das am Roulette. Der europäische Kessel hat 37 Felder, die Zahlen 0 bis 36. Setzt man auf eine einzelne Zahl, liegt die Gewinnchance bei 1 zu 37. Ausgezahlt wird jedoch das 35-Fache des Einsatzes, fair wären 36 zu 1. Daraus ergibt sich ein Hausvorteil von 1 geteilt durch 37, also rund 2,7 Prozent. Dieser Wert gilt für nahezu alle Einsatzarten am Tisch, ob Zahl, Farbe oder Dutzend.
Beim amerikanischen Roulette gibt es zusätzlich die Doppel-Null. Das Rad hat dann 38 Felder, die Auszahlung bleibt unverändert, und der Hausvorteil steigt auf 2 geteilt durch 38, etwa 5,26 Prozent. Es lohnt sich also, die Variante zu kennen, bevor man sich an einen Tisch setzt. Mehr zur Geschichte und Spielweise liefert der Wikipedia-Artikel zum Roulette.
Hausvorteil bei anderen Spielen
Bei Kartenspielen wie Blackjack hängt der Wert stark von den Regeln und vom Verhalten der Spielenden ab. Wer eine mathematisch passende Grundstrategie befolgt, drückt den Hausvorteil auf einen niedrigen Bereich von etwa einem halben Prozent, je nach Regelvariante. Wer dagegen nach Gefühl entscheidet, erhöht den Vorteil des Hauses spürbar. Beim Poker spielt man nicht gegen das Haus, sondern gegen andere Spielende. Der Betreiber verdient dort über Gebühren, etwa Rake oder Turnier-Aufgeld, nicht über einen Vorteil im Spiel selbst.
Bei Spielautomaten wird der Wert meist umgekehrt als Auszahlungsquote, englisch RTP, angegeben. Eine Quote von 95 Prozent entspricht einem Hausvorteil von 5 Prozent. Die Spannweite ist groß und hängt vom Gerät und vom Betreiber ab. Bei Automaten kommt hinzu, dass die Einsätze in kurzer Zeit sehr viele Runden ergeben, sodass sich der Erwartungswert schneller in realem Geldverlust bemerkbar macht als am Tisch.
Warum der Vorteil auf Dauer immer wirkt
Das Gesetz der großen Zahlen sorgt dafür, dass sich Ergebnisse mit steigender Rundenzahl dem Erwartungswert annähern. Ein Beispiel: Wer an einem Abend am europäischen Roulette 200 Mal je 10 Euro setzt, hat insgesamt 2.000 Euro umgesetzt. Bei 2,7 Prozent beträgt der durchschnittliche Verlust rund 54 Euro. Der tatsächliche Abend kann deutlich besser oder schlechter ausgehen. Je mehr Umsatz, desto verlässlicher tritt der Durchschnitt ein.
Daraus folgt auch: Der Hausvorteil bezieht sich auf den Umsatz, nicht auf das mitgebrachte Geld. Wer Gewinne laufend wieder einsetzt, erhöht den Umsatz und damit den erwarteten Verlust. Das erklärt, warum aus einem anfänglichen Gewinn häufig ein Verlust wird.
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, man könne den Vorteil durch Einsatzsysteme umgehen. Progressionen wie die Verdopplung nach einem Verlust ändern nichts am Erwartungswert der einzelnen Runde, sie verschieben nur das Risiko: viele kleine Gewinne, selten ein sehr großer Verlust. Tischlimits und das begrenzte eigene Budget setzen solchen Systemen zusätzlich Grenzen.
Nachrechnen statt schätzen
Wer die Zahlen für ein bestimmtes Spiel selbst durchspielen will, kann das mit einem Hausvorteil-Rechner tun. Man gibt Einsatz, Rundenzahl und den Hausvorteil des Spiels an und erhält den statistisch erwarteten Verlust. Das ersetzt keine Prognose für den einzelnen Abend, macht aber sichtbar, was sich über längere Zeit anhäuft.
Einordnung und Spielerschutz
Ein Hausvorteil macht Glücksspiel nicht verwerflich, er zeigt aber, dass es sich um Unterhaltung mit Kosten handelt und nicht um eine Einnahmequelle. Wer spielt, sollte ein festes Budget setzen, das er sich leisten kann zu verlieren, und Pausen einplanen. Glücksspiel ist erst ab 18 Jahren erlaubt. Wer das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren, findet Hilfe bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter check-dein-spiel.de und der kostenlosen Telefonberatung 0800 1 37 27 00.