Das Deutsche Rote Kreuz: Geschichte, Aufbau und Aufgaben

Ob beim Sanitätsdienst auf dem Stadtfest, bei der Blutspende im Gemeindehaus, im Rettungswagen oder nach einer Hochwasserkatastrophe: Das Deutsche Rote Kreuz begegnet vielen Menschen in Deutschland in ganz unterschiedlichen Situationen. Dahinter steht eine Organisation mit einer langen Geschichte und einer weltweiten Bewegung im Rücken. Dieser Beitrag erklärt, wie das Rote Kreuz entstanden ist, wie das Deutsche Rote Kreuz aufgebaut ist, nach welchen Grundsätzen es arbeitet und welche Aufgaben es heute übernimmt.

Die Anfänge: Henry Dunant und Solferino

Die Idee des Roten Kreuzes geht auf den Genfer Geschäftsmann Henry Dunant zurück. Im Jahr 1859 wurde er Zeuge der Schlacht von Solferino in Norditalien, nach der tausende verwundete Soldaten ohne Versorgung auf dem Schlachtfeld lagen. Dunant organisierte gemeinsam mit Bewohnern der Umgebung Hilfe und schrieb seine Erlebnisse später in einem Buch nieder. Darin regte er an, in Friedenszeiten freiwillige Hilfsgesellschaften zu gründen, die im Kriegsfall Verwundete versorgen, und ihre Arbeit durch ein internationales Abkommen zu schützen.

Aus diesen Ideen entstand 1863 in Genf das Komitee, aus dem das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hervorging. 1864 folgte die erste Genfer Konvention. Mehr zur Geschichte bietet der Wikipedia-Artikel zum Deutschen Roten Kreuz.

Die Entwicklung in Deutschland

Schon kurz nach der Genfer Gründung entstanden auch in deutschen Staaten Rotkreuzvereine. Als einer der ersten gilt der Württembergische Sanitätsverein, der noch 1863 gegründet wurde. In den folgenden Jahrzehnten kamen viele weitere Vereine hinzu, die sich später zusammenschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Deutsche Rote Kreuz in der Bundesrepublik neu gegründet, in der DDR gab es eine eigene Rotkreuzgesellschaft. Nach der Wiedervereinigung wurden beide zusammengeführt.

Die sieben Grundsätze

Alle nationalen Gesellschaften der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung folgen denselben Grundsätzen:

  1. Menschlichkeit: Leiden verhüten und lindern, Leben und Gesundheit schützen.
  2. Unparteilichkeit: Hilfe allein nach dem Maß der Not, ohne Unterschied nach Herkunft, Religion oder politischer Überzeugung.
  3. Neutralität: keine Teilnahme an politischen, religiösen oder ideologischen Auseinandersetzungen.
  4. Unabhängigkeit: Eigenständigkeit gegenüber staatlichen Stellen bei der Erfüllung der Aufgaben.
  5. Freiwilligkeit: Hilfe ohne Streben nach Gewinn.
  6. Einheit: In jedem Land gibt es nur eine nationale Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft.
  7. Universalität: Die Bewegung ist weltweit, alle Gesellschaften haben gleiche Rechte.

Aufbau des Deutschen Roten Kreuzes

Das DRK ist föderal organisiert. An der Spitze steht der Bundesverband. Darunter gibt es Landesverbände, Kreisverbände und zahlreiche Ortsvereine, die vor Ort die Arbeit tragen. Hinzu kommen Schwesternschaften. Innerhalb des Verbandes gibt es verschiedene Gemeinschaften:

Gemeinschaft Schwerpunkt
Bereitschaften Sanitätsdienst, Katastrophenschutz, Betreuung
Wasserwacht Rettungsschwimmen, Wasserrettung, Schwimmausbildung
Bergwacht Rettung im Gebirge und unwegsamem Gelände
Jugendrotkreuz Kinder- und Jugendarbeit, Schulsanitätsdienst
Wohlfahrts- und Sozialarbeit Engagement für ältere, kranke und bedürftige Menschen

Aufgaben im Überblick

  • Rettungsdienst und Krankentransport in vielen Regionen.
  • Katastrophenschutz bei Hochwasser, Großschadenslagen und Evakuierungen.
  • Blutspendedienst, der einen großen Teil der Blutkonserven in Deutschland bereitstellt.
  • Ausbildung in Erster Hilfe, etwa für den Führerschein oder Betriebe.
  • Pflege und soziale Dienste wie ambulante Pflege, Pflegeheime, Hausnotruf und Kleiderkammern.
  • Suchdienst, der Menschen hilft, durch Krieg, Flucht oder Katastrophen getrennte Angehörige zu finden.
  • Internationale Hilfe gemeinsam mit anderen Gesellschaften der Bewegung.

Ehrenamt als Rückgrat

Ein großer Teil der Arbeit wird von Ehrenamtlichen getragen. Sie leisten Sanitätsdienste, betreuen Blutspendetermine, engagieren sich in der Jugendarbeit oder helfen im Katastrophenfall. Daneben beschäftigt das DRK hauptamtliche Mitarbeitende, etwa im Rettungsdienst oder in der Pflege. Finanziert wird die Arbeit unter anderem durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Entgelte für Leistungen.

Weiterführende Informationen

Wer sich einen Überblick über einzelne Tätigkeitsfelder verschaffen möchte, findet auf dem unabhängigen Portal info-drk.net Infos über das Deutsche Rote Kreuz, etwa zu Erster Hilfe, Blutspende, Hausnotruf, Pflege oder Katastrophenhilfe. Für Termine, Kurse und Kontakte vor Ort ist der jeweilige Kreisverband der richtige Ansprechpartner.

Fazit

Das Deutsche Rote Kreuz ist Teil einer weltweiten Bewegung, die auf die Erfahrungen Henry Dunants in Solferino zurückgeht. Mit seinen sieben Grundsätzen, einer föderalen Struktur und vielfältigen Aufgaben von der Blutspende bis zum Katastrophenschutz prägt es das Hilfesystem in Deutschland. Getragen wird es zu einem großen Teil von Menschen, die sich freiwillig für andere einsetzen.