Garnelen kennen die meisten Menschen vom Teller oder aus Dokumentationen über Korallenriffe. Dabei gehören sie zu den vielfältigsten Tiergruppen im Wasser überhaupt. Sie leben in der Tiefsee, an tropischen Küsten, in Gebirgsbächen und in Aquarien auf der ganzen Welt. Biologen fassen einen großen Teil von ihnen unter dem Namen Caridea zusammen. Dieser Beitrag erklärt, was Garnelen biologisch ausmacht, wie sie gebaut sind, wie sie sich fortpflanzen und welche Rolle sie in ihren Lebensräumen spielen.
Was sind Garnelen?
Garnelen sind Krebstiere und gehören damit zu den Gliederfüßern, wie auch Insekten und Spinnen. Innerhalb der Zehnfußkrebse bilden die Caridea eine eigene Teilordnung mit mehreren tausend beschriebenen Arten. Der Name Zehnfußkrebse bezieht sich auf die fünf Paar Laufbeine. Umgangssprachlich wird das Wort „Garnele“ jedoch auch für Tiere verwendet, die zoologisch zu anderen Gruppen gehören, etwa für viele im Handel als Speisegarnelen bekannte Arten. Einen Überblick über die Systematik bietet der Wikipedia-Artikel zu den Caridea.
Der Körperbau
Der Körper einer Garnele gliedert sich in zwei Hauptabschnitte: den Kopfbrustpanzer, auch Carapax genannt, und den beweglichen Hinterleib. Typische Merkmale sind:
- Rostrum: ein spitzer, oft gezähnter Stirnfortsatz, dessen Form bei der Artbestimmung hilft.
- Antennen: lange Fühler zum Tasten und Riechen.
- Laufbeine: Bei vielen Arten tragen die vorderen Beinpaare kleine Scheren oder Fächer zur Nahrungsaufnahme.
- Schwimmbeine: Sie sitzen am Hinterleib und dienen dem Schwimmen, bei Weibchen auch dem Tragen der Eier.
- Schwanzfächer: Mit einem kräftigen Schlag des Hinterleibs können Garnelen blitzschnell rückwärts fliehen.
Häutung: wachsen in Etappen
Wie alle Krebstiere besitzen Garnelen einen festen Außenpanzer aus Chitin. Da dieser nicht mitwächst, müssen sie sich regelmäßig häuten. Dabei streifen sie die alte Hülle ab und bilden eine neue, zunächst weiche Schale. In dieser Phase sind die Tiere besonders verletzlich und verstecken sich häufig. Im Aquarium findet man oft die leeren Hüllen, die leicht mit toten Tieren verwechselt werden. Für eine gelungene Häutung brauchen Garnelen ausreichend Mineralien im Wasser.
Fortpflanzung und Entwicklung
Bei den meisten Garnelen trägt das Weibchen die befruchteten Eier unter dem Hinterleib, wo sie durch Bewegungen der Schwimmbeine mit frischem Wasser versorgt werden. Die weitere Entwicklung unterscheidet sich je nach Art deutlich:
| Entwicklungstyp | Merkmale |
|---|---|
| Direkte Entwicklung | Aus den Eiern schlüpfen fertige Miniaturgarnelen, typisch für viele Zwerggarnelen aus dem Süßwasser. |
| Entwicklung mit Larven | Es schlüpfen freischwimmende Larven, die mehrere Stadien durchlaufen und bei manchen Arten Brack- oder Salzwasser benötigen. |
Diese Unterschiede erklären, warum sich einige Arten im Aquarium leicht vermehren, während andere dort kaum nachgezüchtet werden können.
Lebensräume
Garnelen besiedeln nahezu alle aquatischen Lebensräume. Im Meer leben sie vom flachen Gezeitenbereich bis in große Tiefen, wo manche Arten eigene Leuchtorgane besitzen. In tropischen Riffen gehen einige Partnerschaften mit Fischen ein und säubern sie von Parasiten. Im Süßwasser bewohnen Garnelen Bäche, Seen und Tümpel, vor allem in Asien, Afrika und Südamerika. Viele Arten sind an sehr spezielle Bedingungen wie bestimmte Temperaturen oder Wasserhärten angepasst.
Rolle im Ökosystem
Viele Garnelen ernähren sich von Algen, Biofilm, abgestorbenen Pflanzenteilen und Resten toter Tiere. Damit tragen sie dazu bei, organisches Material abzubauen und Nährstoffe in Umlauf zu bringen. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für Fische, Vögel und andere Tiere. In vielen Gewässern bilden sie so ein zentrales Glied der Nahrungskette.
Garnelen in der Aquaristik
Seit einigen Jahrzehnten sind vor allem kleine Süßwassergarnelen beliebte Aquarienbewohner. Durch gezielte Zucht sind zahlreiche Farbformen entstanden, etwa rote, blaue, gelbe oder schwarz-weiß gemusterte Tiere. Bekannt sind Gattungen wie Neocaridina und Caridina. Wer die verschiedenen Arten mit ihren Ansprüchen und Besonderheiten kennenlernen möchte, findet eine Übersicht der Garnelenarten auf caridea.de, von der Red Fire Garnele über die Tigergarnele bis zur Tiefsee-Garnele.
Verwechslungsgefahr bei Namen
Im Alltag werden Begriffe wie Garnele, Krabbe, Shrimp und Prawn oft durcheinander verwendet. In Norddeutschland nennt man etwa die Nordseegarnele häufig „Krabbe“, obwohl echte Krabben eine eigene Gruppe der Zehnfußkrebse sind. Für Handelsnamen gibt es keine einheitliche biologische Zuordnung. Wer es genau wissen will, sollte sich am wissenschaftlichen Artnamen orientieren.
Fazit
Garnelen sind weit mehr als ein Lebensmittel. Als Krebstiere mit festem Panzer, regelmäßiger Häutung und erstaunlich unterschiedlichen Entwicklungswegen haben sie sich an fast jeden Lebensraum im Wasser angepasst. In Ökosystemen erfüllen sie wichtige Aufgaben, und in der Aquaristik zeigen sie, wie vielfältig und spannend diese kleinen Tiere sind.