Bamberg als Reiseziel: Sehenswürdigkeiten und Tipps

Wer eine deutsche Stadt sucht, die ihr mittelalterliches Stadtbild weitgehend unbeschädigt in die Gegenwart gerettet hat, landet früher oder später in Bamberg. Die oberfränkische Stadt mit rund 78.000 Einwohnern liegt an der Regnitz, kurz vor deren Mündung in den Main-Donau-Kanal, und wurde 1993 als Gesamtensemble in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen. Das ist ungewöhnlich: Nicht einzelne Gebäude oder Areale stehen unter Schutz, sondern die gesamte Altstadt mit ihren rund 2.400 Denkmälern.

Die Altstadt: Sieben Hügel, ein Dom, viel Geschichte

Bamberg wird oft mit Rom verglichen, weil beide Städte auf sieben Hügeln erbaut wurden. Der Vergleich ist touristisch aufgeladen, aber er vermittelt zumindest einen Eindruck von der Topografie. Die Altstadt gliedert sich in drei Bereiche: die Bergstadt mit Dom und ehemaliger bischöflicher Residenz, die Inselstadt zwischen den Regnitz-Armen und die Gärtnerstadt im Norden.

Das prägnanteste Bauwerk ist der Bamberger Dom, ein romanisch-gotischer Bau mit vier Türmen, der zwischen 1004 und 1237 entstand. Im Inneren befindet sich das Grab von Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde sowie das bekannteste mittelalterliche Reiterstandbild Deutschlands: der Bamberger Reiter, entstanden um 1235. Die Identität der dargestellten Person ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Der Eintritt in den Dom ist kostenlos.

Direkt neben dem Dom liegt die Alte Hofhaltung, eine ehemalige kaiserliche und bischöfliche Residenz aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Schräg gegenüber befindet sich die Neue Residenz mit 40 prunkvollen Barockräumen und einem Rosengarten, der einen ungewöhnlichen Blick über die Dächer der Stadt bietet. Der Eintritt für die Neue Residenz kostet derzeit 4,50 Euro für Erwachsene.

Klein-Venedig und das Rathaus auf der Brücke

Am linken Regnitzufer reihen sich ehemalige Fischerhäuser aneinander, die ihre Gärten und kleinen Holzstege direkt ans Wasser vorgelagert haben. Dieser Abschnitt heißt Klein-Venedig und ist vor allem zur Sommerzeit einer der meistfotografierten Orte der Stadt. Die Häuser stammen überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert und werden noch heute bewohnt.

Ebenfalls am Wasser liegt das Alte Rathaus, das auf einer künstlichen Insel mitten in der Regnitz gebaut wurde. Die Entstehungsgeschichte ist umstritten: Eine Legende besagt, der Bürgermeister habe das Gebäude bewusst auf neutralem Grund zwischen Bischofsstadt und Bürgerstadt errichtet, um keine der beiden Seiten zu bevorzugen. Ob das stimmt, ist historisch nicht belegt. Das Rathaus selbst ist architektonisch außergewöhnlich: Die Fassade kombiniert Fachwerk und Rokoko-Fresken, und an der Seite ragt ein steinernes Bein einer Engelsfigur aus dem Putz heraus.

Rauchbier: Eine Spezialität, die polarisiert

Bamberg hat eine lebendige Brauereikultur. Die Stadt zählt neun Brauereien auf engem Raum, was für eine Stadt dieser Größe in Deutschland einmalig ist. Bekanntestes Produkt ist das Rauchbier, das in der Brauerei Schlenkerla gebraut wird. Der typische Geschmack entsteht durch Malz, das über offenen Buchenfeuern gedarrt wird. Das Ergebnis schmeckt rauchig, manchmal leicht nach Speck. Wer das zum ersten Mal trinkt, ist häufig überrascht: Der Geschmack ist intensiv und gewöhnungsbedürftig.

Die Brauereigaststätte Schlenkerla in der Dominikanerstraße gehört zu den bekanntesten Lokalen der Stadt und ist auch unter Einheimischen gut besucht. Wer es ruhiger mag, findet in der Sandstraße und der Umgebung des Bahnhofs weitere Brauereibetriebe mit eigenen Gasträumen.

Bamberg praktisch: Anreise, Lage, Orientierung

Bamberg liegt an der ICE-Strecke München-Berlin und ist von beiden Städten aus in etwa zwei Stunden erreichbar. Vom Bahnhof zur Altstadt sind es zu Fuß etwa zehn bis fünfzehn Minuten. Wer mit dem Auto anreist, sollte wissen, dass die Altstadt weitgehend gesperrt ist. Parkplätze befinden sich vor allem an den Rändern, zum Beispiel am ZOB oder am Heinrichsdamm.

Die kompakte Lage der Altstadt macht Bamberg gut zu Fuß begehbar. Für einen ersten Überblick empfiehlt sich die Strecke vom Bahnhof über die Kettenbrücke zum Alten Rathaus, weiter durch die Gassen der Inselstadt hinauf zur Domburg. Wer sich vorab genauer über Stadtgeschichte, aktuelle Veranstaltungen und Öffnungszeiten informieren möchte, findet auf der offiziellen Website zu Bamberg eine strukturierte Übersicht mit praktischen Angaben für Besucherinnen und Besucher.

Die Tourist-Information befindet sich am Geyerswörthplatz 5, direkt in der Altstadt. Dort sind auch Stadtführungen buchbar, die thematisch unterschiedlich ausgerichtet sind: klassische Altstadtführungen, Brauereirundgänge oder Touren mit Schwerpunkt auf der Kaiserzeit Heinrichs II.

Museen und weniger bekannte Orte

Neben den großen Sehenswürdigkeiten hat Bamberg einige Orte, die abseits der Hauptrouten liegen und dennoch lohnenswert sind:

  • E.T.A.-Hoffmann-Haus: Der Schriftsteller und Komponist Ernst Theodor Amadeus Hoffmann lebte von 1808 bis 1813 in Bamberg. Das Haus in der Schillerplatz-Nähe ist als Museum eingerichtet und vermittelt einen Eindruck seiner Zeit in der Stadt.
  • Historisches Museum Bamberg: Untergebracht in der Alten Hofhaltung, zeigt es Stadtgeschichte von der Römerzeit bis ins 20. Jahrhundert. Eintritt: 5 Euro für Erwachsene.
  • Michaelsberg: Die ehemalige Benediktinerabtei über der Stadt bietet neben einem sehenswerten Kreuzgang auch eine außergewöhnliche Ansicht auf die Dächer der Altstadt. Das Areal ist teilweise frei zugänglich.
  • Gärtnerstadt: Bambergs Gärtnerkultur ist ebenfalls UNESCO-Welterbe. Auf kleinen Feldern innerhalb des Stadtgebiets wird Gemüse angebaut, das auf dem Markt und in der Gastronomie der Region verwertet wird. Das Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße dokumentiert diese Tradition.

Wann lohnt sich ein Besuch besonders?

Bamberg ist das ganze Jahr besuchbar, hat aber deutliche Saisonunterschiede. Im Sommer ist die Altstadt belebt, Klein-Venedig wirkt an warmen Abenden besonders atmosphärisch, und die Biergärten der Brauereien sind geöffnet. Der Nachteil: Vor allem an Wochenenden zwischen Mai und September ist die Altstadt stark frequentiert.

Wer ruhigere Verhältnisse bevorzugt, ist im Frühherbst oder im späten Winter gut bedient. Der Weihnachtsmarkt auf dem Maxplatz und dem Schönleinsplatz läuft traditionell von Ende November bis kurz vor Heiligabend und gehört zu den größeren Märkten der Region, ohne dabei die Dimensionen von Nürnberg oder Dresden zu erreichen.

Bamberg eignet sich als Tagesausflug von Nürnberg oder Würzburg aus, ist aber auch als eigenständiges Reiseziel für zwei bis drei Tage gut geeignet. Das Hotelangebot reicht von einfachen Pensionen bis zu gehobenen Häusern in der Altstadt, wobei die Preise im Vergleich zu größeren deutschen Städten moderat sind.