Ein durchschnittliches deutsches Bad ist rund 35 Jahre alt, wenn es zum ersten Mal grundlegend saniert wird. Das ist lang genug, damit Fugen schwarz werden, Silikondichtungen aufreißen und die Wanne Risse bekommt. Wer dann einfach drauflosbaut, ohne zu planen, riskiert Baustopps, Nachbestellungen und am Ende ein Ergebnis, das nach sechs Monaten wieder Probleme macht. Der folgende Ablauf zeigt, wie eine Badsanierung strukturiert funktioniert.
Bestandsaufnahme: Was ist wirklich vorhanden?
Vor jedem Griff zum Abbruchhammer steht die ehrliche Bestandsaufnahme. Dazu gehört mehr als ein Blick auf vergilbte Fliesen. Wichtig ist: Wie alt sind die Wasserleitungen? Liegen sie aus Kupfer, Stahl oder Kunststoff? Gibt es eine funktionierende Lüftung, oder zieht das Bad die Feuchtigkeit nur durch ein kleines Fenster ab? Wo liegt der Schmutzwasseranschluss, und wie hoch ist der Boden über der Rohdecke?
Wer ein Haus vor 1970 besitzt, sollte außerdem prüfen lassen, ob Asbest verbaut wurde. Das betrifft zum Beispiel Klebemörtel unter alten Bodenbelägen oder bestimmte Dämmmaterialien an Rohren. Der Umweltbundesamt informiert darüber, welche Materialien betroffen sein können und wie der Umgang damit geregelt ist. Eine Asbestuntersuchung kostet im Labor zwischen 50 und 150 Euro pro Probe, ist aber weitaus günstiger als eine spätere Entsorgung ohne Vorabklärung.
Planung: Grundriss, Ausstattung und Budget
Sobald der Bestand klar ist, beginnt die eigentliche Planung. Sie umfasst drei Ebenen: den Grundriss, die technische Ausstattung und das Budget.
Beim Grundriss stellt sich die Frage, ob bestehende Anschlüsse bleiben oder verlegt werden. Eine Toilette um 50 Zentimeter zu verschieben klingt nach wenig, bedeutet aber das Stemmen des Estrichs und eine neue Abwasserführung. Das summiert sich schnell auf 800 bis 1.500 Euro allein für diese Maßnahme. Wer Anschlüsse an Ort und Stelle lässt, spart erheblich.
Bei der Ausstattung lohnt es sich, frühzeitig Norm und Maß im Blick zu haben. Barrierefreiheit etwa folgt der DIN 18040-1, die Mindestbewegungsflächen, Haltegriffe und bodenebene Duschen definiert. Wer heute mit 45 renoviert, denkt besser schon an morgen. Eine bodenebene Dusche kostet in der Ausführung zwar etwa 20 Prozent mehr als eine Duschtasse, erhöht aber Komfort und Wiederverkaufswert dauerhaft.
Das Budget sollte immer eine Pufferposition von mindestens 15 Prozent enthalten. Erfahrungswerte aus der Praxis: Ein einfaches Bad mit 6 bis 8 Quadratmetern, komplett saniert mit Standardmaterialien und Fachbetrieb, liegt selten unter 8.000 Euro. Mit hochwertigen Fliesen, Unterputz-Armaturen und Fußbodenheizung sind 20.000 Euro und mehr keine Seltenheit.
Handwerker auswählen und Angebote vergleichen
Ein häufiger Fehler: zu früh mit dem günstigsten Angebot zu unterschreiben. Seriöse Angebote sind detailliert. Sie listen Materialmengen, Arbeitsstunden und einzelne Gewerke auf. Ein Pauschalangebot ohne Leistungsverzeichnis ist ein Warnsignal. Mindestens drei Vergleichsangebote einzuholen ist Standard.
Wichtig ist auch die Koordination der Gewerke. Bei einer Komplettsanierung sind oft Fliesenleger, Sanitärinstallateur, Elektriker und Trockenbauer gleichzeitig im Einsatz. Wer das nicht aufeinander abstimmt, riskiert Wartezeiten und teure Doppelarbeiten. Viele Haushalte beauftragen deshalb einen Fachbetrieb, der die Koordination übernimmt. Eine Badsanierung vom Fachbetrieb hat den Vorteil, dass ein Ansprechpartner für alle Gewerke verantwortlich ist und bei Mängeln nicht jeder auf den anderen zeigt.
Ablauf der Bauphase
Die typische Reihenfolge bei einer Badsanierung sieht so aus:
- Rückbau: Alte Sanitärobjekte, Fliesen und ggf. Estrich werden entfernt.
- Rohinstallation: Wasser- und Abwasserleitungen werden neu verlegt oder angepasst, Elektroinstallation folgt der aktuellen Norm.
- Estrich und Abdichtung: Besonders die Verbundabdichtung unter dem Fliesenbelag ist entscheidend. Fehler hier führen später zu Schimmel oder Wasserschäden an der Decke darunter.
- Fliesen: Wände zuerst, dann Boden. Bei Fußbodenheizung muss der Estrich vollständig ausgeheizt sein, bevor gefliest wird.
- Sanitärmontage: Wanne, Dusche, WC und Waschtisch werden eingebaut und angeschlossen.
- Abschlussarbeiten: Silikonfugen, Spiegel, Leuchten, Armaturen und Accessoires.
Eine typische Badsanierung bei 7 Quadratmetern dauert bei professioneller Ausführung zwischen drei und fünf Wochen, wenn alle Materialien rechtzeitig geliefert werden. Lieferengpässe bei Fliesen oder Sonderanfertigungen können den Zeitplan um Wochen verschieben. Frühzeitig bestellen ist deshalb keine Übervorsicht, sondern Pflicht.
Abnahme: Was geprüft werden muss
Die Abnahme ist rechtlich der Moment, in dem das Werk offiziell übergeben wird. Ab diesem Zeitpunkt kehrt sich die Beweislast um: Nicht mehr der Handwerker muss beweisen, dass alles in Ordnung ist, sondern der Auftraggeber muss nachweisen, dass ein Mangel vorlag. Das macht eine gründliche Abnahme unverzichtbar.
Checkliste für die Abnahme:
- Alle Wasserleitungen auf Dichtheit prüfen, Armaturen auf Funktion
- Fliesen auf Hohllagen abklopfen (leises Klacken deutet auf schlechten Haftverbund hin)
- Silikonfugen auf Vollständigkeit und Haftung prüfen
- Ablauf und Gefälle der Dusche kontrollieren (kein stehendes Wasser nach dem Probelauf)
- Lüftung und Beleuchtung testen
- Alle vereinbarten Ausstattungsmerkmale mit dem Leistungsverzeichnis abgleichen
Gefundene Mängel werden im Abnahmeprotokoll schriftlich festgehalten, zusammen mit einer Frist zur Nachbesserung. Erst wenn alle Mängel beseitigt sind oder einvernehmlich bewertet wurden, wird die Schlussrechnung fällig. Wer ohne Protokoll abnimmt, gibt wichtige Rechte aus der Hand.
Gewährleistung und Dokumentation
Nach der Abnahme beginnt die gesetzliche Gewährleistungsfrist. Bei Werkverträgen beträgt sie nach § 634a BGB für Bauwerke fünf Jahre. Das bedeutet: Tritt innerhalb dieses Zeitraums ein versteckter Mangel auf, zum Beispiel eine undichte Verbundabdichtung, kann der Auftraggeber Nachbesserung verlangen, ohne selbst zahlen zu müssen.
Für die eigene Dokumentation empfiehlt sich ein Ordner mit Aufmaßplänen, Fotos vom Rohbauzustand und von verlegten Leitungen, dem unterschriebenen Abnahmeprotokoll, allen Rechnungen und den Produktdatenblättern der verbauten Materialien. Wer später nochmals in die Wand bohren oder eine Armatur tauschen möchte, weiß dann genau, wo welche Leitung liegt.
Eine Badsanierung ist eine Investition, die bei guter Planung und sorgfältiger Ausführung 20 Jahre und mehr hält. Der entscheidende Unterschied zwischen einem erfolgreichen Projekt und einem nervenaufreibenden Chaos liegt fast immer in der Vorbereitung, nicht im Handwerk selbst.